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Ein VHS-Kurs mit Wendepunkt: Ein Interview mit Larissa von HETTI. BERLIN

Ein VHS-Kurs mit Wendepunkt: Ein Interview mit Larissa von HETTI. BERLIN

Wir konnten Larissa Reuter, die Gründerin des Wohnaccessoirelabels HETTI. Berlin für ein Interview gewinnen. Sie verrät uns, wie die Gründung ihres Labels mit ihrer Oma Hetti verbunden ist und ihre Werte bis heute prägt.

GROßMUTTER HETTI

Die Liebe zur traditionellen Handarbeit und das Bewusstsein für hochwertige Stoffe bekommt Larissa schon als Kind von ihrer Großmutter Hetti gelehrt. 2014 gründet sie ihr eigenes Label – es zu Ehren ihrer Großmutter HETTI. zu benennen, ist da nur logisch. Genau wie es ihr die Großmutter mitgegeben hat, bringt HETTI. auf moderne Weise Wärme, Behaglichkeit und Harmonie in jedes Zuhause.

INTERVIEW MIT LARISSA

Wie bist du auf die Idee gekommen, dieses Label zu gründen? Was war der Auslöser?

Mein hartverdientes Studentengehalt habe ich schon damals in Interieur-Design ausgegeben und meine Freunde wussten alle, dass das eine Leidenschaft von mir ist. Irgendwann haben sie mir einen VHS-Kurs zum Geburtstag geschenkt. „Heimtextilien zum Selbstgestalten“. Ich dachte erst oh Gott, da ich in meinen Praktika auch schon an Nähmaschinen sitzen musste und ich nicht gut damit zurechtgekommen bin. Ich wollte ihnen aber auch nichts Vorlügen und bin hingegangen, bepackt mit einem Stück Stoff für ein Kissen.

In diesem Kurs habe ich festgestellt, dass mir das an modernen Nähmaschinen gar nicht so schwerfällt. Im Kurs habe ich verschiedene Kissen mit Reißverschlüssen genäht. Irgendwann hat die Anzahl der Reißverschlüsse nicht mehr zu den Stoffen gepasst. Da habe ich angefangen die farblich kontrastiert Reißverschlüsse mit den Stoffen zu mischen. Die Kissen, die ich dort entstanden, habe ich zu Weihnachten verschenkt. Meine Freunde waren so scharf drauf, dass ich anschließend Aufträge bekam.

Du hast dein Label nach deiner Großmutter Hetti benannt. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Das Wochenende, an diesem der VHS-Kurs stattfand, war auch der Geburtstag meiner Oma und letztendlich auch ihr Sterbetag. Ich habe ihr vom Nähkurs erzählt, und dass er an ihrem Geburtstag stattfinden wird, ich aber lieber zu ihr kommen möcht. Als sie das hörte, bestand sie darauf, dass ich hingehe. Sie freute sich darüber, dass ich das Nähen lernen würde. Meine Oma hat früher gern genäht und uns Kinderklamotten selbst gemacht. Als sie an Parkinson erkrankte, war sie sehr traurig darüber, dass sie das Nähen aufgeben musste.

Als alles an diesem einen Tag zusammentraf, dachte ich, dann ist das vielleicht ein Wink des Schicksals und ich nenne mein Business nach meiner Oma. Deswegen heißt Hetti, Hetti. Ich bin sehr froh, an diesem Nähkurs teilgenommen zu habe, da dieser ein wirklicher Wendepunkt für mich darstellt.

Wie und wo arbeitest du jetzt?

Ich arbeite in Berlin und verbinde einen Laden mit dem Atelier. So kann ich hinten arbeiten und einfach nach vorne gehen, wenn ein Kunde vorbeikommt. Ich teile mir den Laden mit zwei anderen Mädels und wir alle haben unsere eigenen Labels. Estefania kommt aus Mazedonien und macht handbestickte, nachhaltige Kleidung und Denise ist Illustratorin und verkauft ihre Illustrationen und Postkarten im Laden. Wir nennen uns „The Conscious Club", da wir bewusst arbeiten und bewusst unser Handwerk betreiben.

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Oma Hetti
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Oma Hetti
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The Conscious Club, Berlin

Was möchtest du den Menschen mit deinen Produkten mitgeben?

Erst mal sind die Kissen zum Anschauen und Anfassen da. Meine Produkte sollen eine ästhetische Freude erzeugen und ich möchte, dass das Praktische des Designs vermittelt wird.

Ein nachhaltiger Ansatz ist mir wichtig. Ich produziere alles selbst. Je nach Auftragslage kann das sehr stressig werden, weil ich jedes Kissen auf Bestellung produziere. Ich wurde schon öfters gefragt, wieso ich die Produktion nicht einfach nach Polen auslanger. Das ist aber überhaupt nicht mein Anspruch. Ich möchte, dass nur fertige Produkte entstehen, für die es wirklich einen Abnehmer gibt. Die Vorproduktion und dann darauf sitzen bleiben, ist meiner Meinung nach Ressourcenverschwendung. Ich möchte effizienter und nachhaltiger arbeiten.

Du legst viel Wert auf Handarbeit und Nachhaltigkeit. Hast du das Gefühl, dass deine Kunden ebenfalls wert darauflegen?

Ich glaube, für die Kunden sind die Optik und die Qualität am entscheidendsten. An zweiter Stelle ist es schön, für sie zu wissen, dass es natürliche Materialien sind. Die Sache mit der Nachhaltigkeit ist hier im Laden, in Berlin ein Thema, aber sonst eigentlich nicht, was mich wundert.

Hand Made stellt eher ein Verkaufsargument dar. Außerdem finden die Kunden es super, die Person hinter dem Produkt zu kennen. Ich habe den Eindruck, dass der Nachhaltigkeitsfaktor beim Großteil der Menschen noch nicht angekommen ist. Es wird mehr Wert auf Individualität und Handgemachtes gelegt. Dahin müssen wir uns bewegen. Es muss bewusster und weniger eingekauft werden. Auf langlebigere Produkte muss gesetzt werden, für die auch tiefer in die Tasche gegriffen wird.

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Stoffballen und...
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...Reißverschlüsse

Wie setzt du das Thema Nachhaltigkeit und Achtsamkeit bei HETTI. um?

Ich versuche, so ressourcensparend wie möglich vorzugehen. Ich kaufe 20 Meter von einem Stoff und der eine Stoff ist dann zum Beispiel, in zwei Modellen verarbeitet und diese zwei Modelle gibt es in jeweils sieben Größen. Es ist auch möglich mir zuschreiben, wenn ein Sondermaß benötigt wird. Ich produziere sowieso „made to order“, dann kann ich individuelle Wünsche anpassen. Wenn die 20 Meter Stoff aufgebraucht sind, möchte ich sagen können, dass nur Kissen daraus entstanden sind, die auch wirklich gewollt sind.

Bei der Auswahl der Stoffe möchte ich nur natürliche Materialien verwenden, ohne Kunstfaser, damit auch kein Mikroplastik entsteht. Die Qualität der natürlichen Materialien finde ich am überzeugendsten.

Was passiert mit Stoffresten?

Wenn Stoffe übrig bleiben, die zu klein für die Herstellung der Kissen sind, nähe ich daraus Wärmflaschentaschen oder Kosmetiktaschen. Zu Weihnachten stelle ich aus den allerkleinsten Stoffresten kleine Lavendelsäckchen her. Ich versuche, alle Materialien vollständig aufzubrauchen, sodass so wenig Müll wie möglich anfällt.

Woher holst du dir deine Inspiration?

Alles was mich umgibt, inspiriert mich. Ob im Urlaub ein bestimmter Baum, der vor einer schönen mediterranen Wand steht oder der Himmel, die Blumen und die Wälder. Auch die Kunst inspiriert mich. Mein Studium in Kunstgeschichte hat mich sehr geprägt, da entspringt auch die Inspiration. Die Namen meiner Kissen sind meistens Namen von Künstlern. Oft ist es so, dass mich ein Bild eines Künstlers zu einer Kissenkombination inspiriert hat.

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Kissensammlung von Hetti
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Ein gefragter Stoff: Seide
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Kissen für jeden Geschmack

Was ist dein Antrieb?

Die Leute, die ich hier jeden Tag treffe. Ich genieße es schon sehr, mit meinen Freunden zusammen zu arbeiten. Ich liebe auf jeden Fall den Kontakt mit Farben und Stoffen und diese unzähligen Kombinationsmöglichkeiten. Das macht mich jeden Tag wieder glücklich. Deswegen ist es sehr schön, den Laden zu haben. Gerade wenn Leute vorbeischauen, die individuelle Wünsche haben. Kissen individuell auf Personen zuzuschneiden macht mir sehr viel Spaß.

Was hat es mit der Pillowparty auf sich?

Ich habe seit November ein neues Vertriebsmodell, das nennt sich Pillowparty. Dabei komme ich mit einer Tasche voll mit Stoffen, zu den Menschen nach Hause. Sie laden dann oft Freude ein und wir suchen gemeinsam für deren Zuhause Kissenkombinationen und Stoffkombinationen heraus. Das macht einfach mega viel Spaß.

Was kannst du Gründern mit auf den Weg geben?

Sie müssen sich auf eine Durststrecke vorbereiten, die länger andauert, als man sich das am Anfang erhofft hat. Man muss sich zwischen durch etwas Gutes tun und darf nicht zu eisern und verbissen sein. Es darf nie vergessen werden, wieso man angefangen hat. Ich glaube, man muss mit seinen persönlichen Ressourcen gut wirtschaften, denn es ist eher ein Langstreckenlauf. Offenheit gegenüber den Dingen, die passieren ist sehr wichtig, denn diese sind oft die fruchtbarsten. Es werden viele Fehler passieren, aber man darf sich nicht böse sein. So gesehen würde ich nichts anders machen wollen, denn aus den Fehlern, die ich gemacht habe, habe ich viel gelernt. Man muss einfach den Weg finden, der am besten funktioniert und zu einem passt.

Worauf bist du seit deiner Gründung besonders stolz?

Das Gründen an sich lehrt einen so viel über sich selber und natürlich über die eigenen Grenzen und die Kraft, die in einem steckt. Egal was passieren wird, ich bin sehr dankbar, dass ich es versucht habe. Es ist so toll, dass man etwas erschaffen hat. Jedes Mal, wenn ein Produkt von mir verkauft wird, freue ich mich, dass ich etwas hergestellt habe, dass jemand anderes kaufen möchte.

Was steht als Nächstes für dich und HETTI. an? Kannst du uns einen groben Ausblick geben?

Ich würde super gerne jemand einstellen. Ich würde mich gerne auf dieses persönlichere Konzept der Pillowparties konzentrieren. Gerade zu Menschen nach Hause zu gehen oder sie individuell im Laden zu betreuen, macht viel Spaß. Natürlich werde ich immer meine eigenen Kollektionen weiter verkaufen und den Onlineshop haben, aber ich hätte Bock das einfach persönlicher zu gestalten. Es ist so schön, wenn ich den Kunden ins Gesicht schauen und mit ihnen sprechen kann. Das ist einfach viel schöner als dieser sehr anonyme Onlineshop.

Hast du ein Lieblingskissen von HETTI.?

Die Friedl.


Wir bedanken uns bei Larissa Reuter für das schöne Interview und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit ihr.


Zu den zauberhaften Kissen von HETTI. gelangst Du hier.


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