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Faire Bezahlung für gute Arbeit

Faire Bezahlung für gute Arbeit

KAMPF UM FAIRE ARBEITSBEDINGUNGEN

Der 1. Mai 1886, ein Tag, der für die Arbeiterbewegung in Chicago steht. Industriearbeiter organisieren einen Massenprotest für den Acht-Stunden-Tag und bessere Arbeitsbedingungen. Dieser Tag ging in die Geschichte ein. Er ist mittlerweile als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse bekannt und in vielen Staaten ein Feiertag. Mit schlechten Arbeitsbedingungen hatten nicht nur die Industriearbeiter von früher zu kämpfen. Diese Problematik hält bis heute an. Spätestens nach dem tragischen Einsturz des Fabrikkomplex Rana Plaza in Bangladesch sind faire Arbeitsbedingungen in aller Munde.

WAS GENAU SIND FAIRE ARBEITSBEDINGUNGEN?

Doch was genau wird unter fairen Arbeitsbedingungen verstanden? Generell versteht man unter Arbeitsbedingungen die rechtlichen und tatsächlichen Umstände, unter denen die Arbeitnehmer ihre Leistung erbringen. In vielen Ländern gibt es dazu keine Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Betriebsordnungen oder Arbeitsverträge, die die Arbeitsbedingungen rechtlich regeln. Ausbeutung und harte Arbeit sind die Folgen.

Der Generaldirektor der ILO, Juan Somavia ist der Meinung, dass „menschenwürdige und produktive Arbeit für Frauen und Männer, der Schlüssel zur Armutsbekämpfung und zu gesellschaftlichem Wohlstand ist. „Menschenwürdige Arbeit“ definiert die Internation Labour Organisation ILO als „produktive Arbeit von Frauen und Männern unter Bedingungen, bei denen Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und die menschliche Würde gewahrt sind“. Menschenwürdige Arbeit, faire Arbeitsbedingungen oder fairer Handel. Es gibt viele Begrifflichkeiten, doch im Grunde zahlen alle drauf ein, dass eine Ausbeutung von Arbeitern und Produzenten enden muss. Faire Bezahlung für eine gute Arbeit sollte für jeden Menschen gegeben sein. Natürlich bringt das Wort fair unterschiedliche Auffassungen mit sich, doch letztendlich geht es um die Existenzsicherung.

ARMUT TROTZ BESCHÄFTIGUNG

Laut der ILO ist die Arbeitslosigkeit weltweit gesunken, doch die schlechten Arbeitsbedingungen bleiben ein Hauptproblem. Eine Mehrzahl der 3,3 Milliarden beschäftigten Menschen auf der Welt hatten 2018 unzureichende wirtschaftliche Sicherheit, geringen materiellen Wohlstand und eine mangelhafte Chancengleichheit.

Dabei stellen „Gleichheit und angemessene Arbeit die zwei Säulen dar, die die nachhaltige Entwicklung untermauern“, so Deborah Greenfield, ILO stellvertretende Generaldirektorin für Politik. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass eine Beschäftigung automatisch ein angemessenes Leben bedeutet. 700 Millionen Menschen leben in extremer Armut, obwohl sie einer Beschäftigung nachgehen. Diese Zahl hat sich in den letzten 30 Jahre zwar stark verbessert, ist aber immer noch viel zu hoch.

ES IST NICHT GÜNSTIG, NUR WEIL ES WENIG KOSTET

Sale

Menschen arbeiten hart, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, doch wie gesagt reicht oftmals nicht mal das aus. Gerade in der Textilindustrie werden Preise gedrückt, um den Konsumenten sehr günstige Artikel zu verkaufen.

Es muss in unser Bewusstsein gerufen werden, dass es keine günstigen Produkte gibt. Es gibt immer eine Schattenseite. Wenn etwas sehr günstig verkauft wird, zahlt eine andere Person den Preis dafür. Wir haben die Relation zwischen Qualität und Preis verloren. Es gibt Gegenstände, vor allem Kleidung, die so günstig verkauft werden, dass sich gefragt werden muss, wie das funktionieren kann. Dies ist nur möglich, wenn die Personen, die die benötigten Ressourcen anbauen, den niedrigsten Handelswert bekommen, in Niedriglohnländern auf Masse produziert wird und die Mitarbeiter unter miserablen Bedingungen schlecht bezahlt werden.

Arbeit sollte individuelles Einkommen schaffen, und so Menschen ermöglichen, ein unabhängiges Leben zu führen. Doch wenn mit Arbeit das Einkommen nicht zum Überleben reicht, läuft etwas falsch. Wir als Konsumgesellschaft können etwas verändern. Wir können bewusster einkaufen und achtsamer mit Mitmenschen und Natur umgehen. Unser Interesse an einer transparenten Lieferkette und transparenten Produktionsbedingungen muss steigen, um Druck auf die Marken auszuüben, denn Nachfrage bestätigt das Angebot. Am Ende leiden wir alle darunter. Umweltverschmutzung, Armut, Materialismus, schlechte Arbeitsrechte – Attribute die garantiert zu keiner nachhaltigen Entwicklung oder zu gesellschaftlichem Wohlstand führen. Die direkten Auswirkungen sind für uns vielleicht nicht klar ersichtlich, aber sie sind ohne Zweifel da und werden bleiben, wenn wir nicht etwas daran ändern.

EINER AUS SECHS ARBEITET IN DER MODEINDUSTRIE

Shirts

Betrachten wir die Textilbranche genauer. Laut dem Film „The True Cost“ ist die Modeindustrie so groß, dass ca. einer aus sechs Menschen auf der Welt dafür arbeitet. Allein in der Baumwollproduktion sind über 100 Millionen Haushalte involviert. Das ergibt eine Baumwollmenge, die für jeden auf der Welt 18 T-Shirt entstehen lassen könnte. Verrückt wenn man überlegt, dass wir über 7 Milliarden Menschen auf der Erde sind.

Leider ist genau diese Baumwollherstellung gefährlich. Jährlich müssen, laut der WHO, rund eine Million Baumwollarbeiter wegen einer Pestizidvergiftung ins Krankenhaus, wovon 20 000 bis 40 000 sterben. Die Baumwollbauern verdienen viel zu wenig Geld für ihre harte Arbeit. Seit 1995 haben sich 270 000 indische Baumwollbauern das Leben genommen. Sie müssen teure Baumwollsamen kaufen und verschulden sich dafür hoch. Eine Situation, aus dieser viele keinen Ausweg mehr finden. Dies stellt nur einen Aspekt der Lieferkette dar, der aufgrund des „Fast Fashion Konsums“ Opfer bringt.

UNWISSENHEIT SCHÜTZT UNS ALLE NICHT

Kleiderbügel

Schon oft wurden Experimente durchgeführt, um Menschen vor Augen zu führen, wie viel Schaden sie mit ihrem Konsum anrichten. Jedes dieser Experimente führte zur Fassungslosigkeit, wenn die Personen über die Arbeitsbedingungen, Gefahren und Löhne bei der Produktion ihrer Produkte erfahren.

Das Bewusstsein zwischen kleinem Preis und großem Ausmaß ist nicht gegeben. Es ist so einfach, ein günstiges T-Shirt zu kaufen, ohne über die Herstellung zu erfahren und Konsequenzen zu spüren. Natürlich schützt Unwissenheit nicht, doch wer sich nicht damit beschäftigt, bleibt unwissend und konsumiert weiterhin Produkte, die anderen schaden.

NUR 19% DES PRODUKTPREISES GEHT AN DIE FABRIK

Fabrik

Anhand eines Beispiels wollen wir veranschaulichen, wie sich der Preis eines Produktes zusammensetzt. Ca. 42 % des Preises behält das Geschäft, 21 % geht an die Marke, 19 % an die Fabrik (wovon 13 % das Material ausmacht), 16 % an den Staat und 2 – 5 % an die Arbeiter. Natürlich ist dies nicht allgemeingültig, sondern stellt einen groben Durchschnitt dar, der sich durch verschiedene Faktoren verändern kann. Je kleiner der Preis ist, desto weniger kommt bei den Arbeitern an. Wie gesagt, nur weil wir einen günstigen Preis zahlen heißt das nicht, dass nicht jemand anderes dafür einen viel höheren Preis zahlen muss. Es geht vielmehr darum ein Bewusstsein zu schaffen und zu verstehen was wir als einzelner Mensch auslösen und wie wir helfen können.

Preisaufteilung

Natürlich gibt es Menschen, die sich schlichtweg nicht für diese Problematik interessieren. Sie verspüren kein direktes Ausmaß auf ihr Leben und ändern deswegen nichts. Dabei vergessen sie, dass sie nicht allein auf dieser Welt sind und alles eine Auswirkung hat. What goes around comes around. Durch Aktionen wie die „Fashion Revolution Week“ und steigenden Zahlen im nachhaltigen Modesegment wird versucht, Menschen wachzurütteln, doch leider wird die breite Masse damit noch nicht erreicht. Es ist schwierig, Menschen von etwas zu überzeugen, worin sie keinen direkten Vorteil für sich erkennen. Sie müssen selbst erkennen, dass darin ein großer Mehrwert für die Gemeinschaft und Bevölkerung liegt. „Wie Armstrong schon sagte: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“. Den Zeigefinger zu erheben ist keine Lösung. Mit kleinen Schritten vorangehen und als Vorbild fungieren. Unwissen mit Wissen füttern und die Thematik ins Zentrum stellen. Jeder von uns hinterlässt einen Fußabdruck. Wäre es nicht schön, wenn unserer ein weniger leichter und kleiner ausfallen würde? So könnten wir leichtfüßig und mit einem guten Gefühl durchs Leben gehen. Eine Überlegung wert?

MYCONICS AUF KLEINEM FUß

Auch wir bei myconics versuchen, unseren Fußabdruck klein zu halten. Wir achten gerade bei unserer Verpackung auf den Verzicht von Plastik, nützen Ökostrom, hegen einen direkten Kontakt und Austausch mit unseren Manufakturen und wollen so die Lieferwege kurzhalten. Uns liegt ebenfalls die Transparenz der Produktion und der Lieferketten sehr am Herzen. Durch unsere definierten Werte wie Nachhaltigkeit, fairer Handel, hergestellt in Europa, vegan und handgefertigt wählen wir unsere Manufakturen ganz bewusst aus. So stellen wir sicher, dass wir nur mit Manufakturen zusammenarbeiten, die dieselben Werte wie myconics verfolgen.

Wir sind immer wieder stolz, wenn wir auf unser Manufakturen-Portfolio blicken und sehen, welch tolle Produkte nachhaltig und achtsam geschaffen werden können. Doch nicht nur die Produkte, sondern auch der soziale Einsatz, den viele Manufakturen leisten, finden wir einfach klasse. So fertigt die Manufaktur rund:Stil ihre Möbel in Kooperation mit einer Behindertenwerkstatt an und die Brillen-Manufaktur Take a shot unterstützt ein soziales Projekt, dass Menschen in den Anden und im Himalaya Gebirge Sonnenbrillen spendet, um diese vor etwaigen Augenkrankheiten bedingt durch UV-Strahlen zu schützen.

Wir hoffen mit myconics Menschen dazu zu inspirieren, achtsam zu konsumieren. Jeder Mensch hat Bedürfnisse und jeder Mensch kauft sich und seinen Mitmenschen gerne Produkte, doch wäre es nicht schön, wenn all diese Produkte nicht nur den Menschen, die sie konsumieren eine Freude bereiten würden, sondern auch all denjenigen, die hinter diesem Produkt stehen? Wir glauben daran und hoffen, ein paar mehr Menschen mit unserem Konzept inspirieren zu können.

rundStil

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