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Nachhaltigkeitssiegel „Grüner Knopf“: Wie sinnvoll ist das erste staatliche Siegel für soziale und ökologische Textilien?

Nachhaltigkeitssiegel „Grüner Knopf“: Wie sinnvoll ist das erste staatliche Siegel für soziale und ökologische Textilien?

Das am 09.09.2019 von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller eingeführte Label Grüner Knopf ist aktuell in aller Munde. Auch wir hatten bereits im myconics-Newsticker #2 einen kurzen Blick darauf geworfen. Nun möchten wir das Siegel erneut unter die Lupe nehmen und der Frage auf den Grund gehen, wie sinnvoll das erste staatliche Nachhaltigkeitssiegel wirklich ist.

Der Grüne Knopf – Kurz erklärt

Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Siegel, das nachhaltig produzierte Textilien kennzeichnen soll. Damit soll den Konsumenten die Identifikation von ökologischen und fairen Produkten erleichtert werden. Das Label befindet sich direkt am Produkt - eingenäht, eingedruckt oder angehängt – und kennzeichnet jede Art von nachhaltig und ökologisch hergestellten Textilien. Erstmals testet ein Siegel sowohl das Produkt, als auch die produzierenden Unternehmen anhand 46 definierter menschenrechtlicher, ökologischer und sozialer Kriterien. Dabei baut der Grüne Knopf bei den Produktkriterien auf bereits vorhandene, anerkannte Siegel wie FAIRTRADE oder GOTS.

Die Einhaltung der Standards wird von unabhängigen TÜV-Prüfern kontrolliert, die wiederrum von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DakkS) überwacht werden. So sollen gleichwertige Prüfungen gewährleistet werden. Den wirklichen Mehrwert des Siegels gegenüber anderen bietet die Überprüfung des Unternehmens als Ganzes. „Einzelne Vorzeigeprodukte reichen allein nicht aus“, äußert sich das BWZ selbst auf der Website.

Ziel: Klarheit für Konsumenten schaffen

„Wir brauchen ein Siegel, das den Kunden beim Einkauf einfach und klar signalisiert: Hier handelt es sich um fair produzierte Kleidung“. So begründet Minister Müller das durch ihn forcierte Siegel in einem Interview. Es soll Vertrauen schaffen und mehr Orientierung beim Einkauf bringen. Denn der Siegel-Dschungel ist für Verbraucher kaum mehr überblickbar. Was gut gemeint ist, sorgt letztlich nur für Verwirrung beim Kunden. Ziel des Grünen Punktes ist es daher, Bekanntheit unter Konsumenten zu erlangen und die Kaufentscheidung für nachhaltige und ökologische Textilien zu erleichtern.

Kritik kommt selten allein

Auch wenn die Einführung von staatlicher Seite etwas anderes vermuten lässt, ist das neue Textilsiegel dennoch freiwillig. Daher fordern Kritiker gesetzlich verankerte Regelungen, um umfangreiche Verbesserungen bei den Arbeits- und Produktionsbedingungen zu erreichen. Des Weiteren äußert sich Uwe Wötzel („Kampagne für saubere Kleidung“) gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ negativ hinsichtlich der gewählten Kriterien. Diese seien viel zu schwach, die Überwachung nur unzureichend und die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns sei in der Regel abweichend von tatsächlich existenzsichernden Löhnen.

Zudem werden die ökologischen und sozialen Kriterien zum jetzigen Zeitpunkt nur bei zwei Produktionsschritten angewendet: Dem Färben und Bleichen, sowie beim Zuschneiden und Nähen der Textilien. Somit ist keine ganzheitliche Prüfung der Lieferkette gewährleistet. Man muss dem BMZ jedoch zu Gute halten, dass diese Information offen auf der Website des Grünen Punkts kommuniziert und interessierten Konsumenten somit nicht vorenthalten wird.

Fazit: Guter Ansatz, aber ausbaufähig!

Im Allgemeinen ist die Aufmerksamkeit für die verheerenden Arbeitsbedingungen in der Textilbranche, die Minister Müller durch die Einführung des Grünen Punkts erzielt, positiv zu bewerten. Denn jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung und sollte wertgeschätzt werden. Durch die mediale Präsenz wird die Thematik zudem in den Köpfen von vielen Konsumenten verankert, sodass diese bei zukünftigen Einkäufen bestenfalls auf eine nachhaltige und ökologische Produktion ihrer Textilien achten. Dennoch sind die geäußerten Kritiken nicht unberechtigt. Es zeigt sich also, dass das stattliche Siegel in einigen Bereichen durchaus Luft nach oben hat und zum jetzigen Zeitpunkt nicht als vollumfänglich verlässlich eingestuft werden kann.

Bleibt zu hoffen, dass die anvisierten Next Steps, wie beispielsweise die Ausweitung der Standards auf die Spinnerei und Weberei, auch wirklich in die Tat umgesetzt werden. Wünschenswert ist hierbei allerdings eine raschere Umsetzung als die bisher angedachte. Denn die schwerwiegenden Folgen, mit denen die Mitarbeiter in der konventionellen Textilproduktion zu kämpfen haben, schreiten leider in einem weitaus schnelleren Tempo voran.


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