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Wer waren jetzt eigentlich Sebastian und Sascha?

Wer waren jetzt eigentlich Sebastian und Sascha?

In diesem Interview geben die myconics-Gründer Sebastian und Sascha Einblicke in ihre Gedankenwelt. Zwei unterschiedliche Köpfe auf derselben Mission.

 

SEBASTIAN UND SASCHA – FREUNDSCHAFT SEIT KINDHEITSTAGEN

Dass sich die beiden gut verstehen, ist kein Geheimnis, ganz im Gegenteil. Viel Gelächter, Witze und dumme Sprüche – die Stimmung ist auf jeden Fall gut, das merkt man direkt. Sascha und Sebastian kennen sich schon eine halbe Ewigkeit. Beide sind waschechte Stuttgarter, die schon in ihren Kindheitstagen zusammen so manchen Unfug anstellten. Eigentlich kennen sich die beiden über Saschas größeren Bruder Marko. Marko und Sebastian sind beste Freunde und wie das so ist, kommt der kleine Bruder dann einfach mit. Und kleine Brüder werden dann auch mal groß...

SEBASTIAN UND DIE GROßE WEITE WELT

Sebastian hält es nicht lange in Stuttgart und so zieht er mit 20 in die weite Welt hinaus. Sechs Monate lang bereist er fremde Kulturen und Länder. „Das große Unbekannte hat mich schon immer fasziniert“, so der Stuttgarter. Nach dieser eindrucksvollen Zeit zieht es ihn, für sein Bachelorstudium, zurück nach Deutschland, aber nicht in die Heimat, sondern nach Dortmund. Nach Dortmund folgt der Arbeitsalltag in London und das Masterstudium in Madrid. Der nächste Stopp heißt adidas und bescherte ihm eineinhalb Jahre voller tiefer Einblicke in die verschiedensten Bereiche der Sportindustrie. Nach einer spannenden Zeit mit vielen tollen Menschen wechselt Sebastian zu Tom Tailor nach Hamburg. Dort ist er verantwortlich für die Regionen des Mittleren Ostens und Afrika.

SASCHAS FASZINATION: TECHNIK UND COMPUTER

Sascha wiederum kommt aus einer ganz anderen Richtung. Er war schon immer fasziniert von den Möglichkeiten, die Computer und das Internet bieten. Deswegen packte er 2010 seine Sachen und startete sein Studium der Wirtschaftsmathematik/-Informatik an der Uni in Mannheim.

Er selbst beschreibt sich als Datennerd und ist begeistert, dass das Feld der künstlichen Intelligenz immer mehr an Relevanz gewinnt. Nach seinem abgeschlossenen Master in Mannheim geht es für ihn 2015 zurück nach Stuttgart. Nach seinem Berufseinstieg bei Pricewaterhouse Coopers wurde ihm sehr schnell klar, welche Vorteile KI für jegliche Industrie bieten kann. 2017 wechselt Sascha in den Finance-Bereich der Daimler AG und beschäftigt sich dort mit KI-Anwendungsfällen. Als Sebastian ihm das erste Mal von myconics bzw. der Idee dazu berichtet, sieht Sascha direkt Chancen für sein Spezialgebiet Data Science. Die Möglichkeiten, die sich ergeben könnten, lassen ihn nicht mehr locker. Er bietet Sebastian an ihn hinsichtlich der IT punktuell zu unterstützen. Somit taucht Sascha immer tiefer in das Thema ein, bis er letztendlich zum Mitgründer von myconics wird.

ZWEI DISZIPLINEN UND DOCH EINE MISSION

Sebastian und Sascha sind zwei Freunde, die aus zwei komplett unterschiedlichen Disziplinen kommen, jedoch dieselbe Mission haben. Sie wollen das Einkaufen von morgen nachhaltig verändern und insbesondere zeigen, dass nachhaltig hergestellte Mode- und Wohnaccessoires durch Qualität und modernes Design unschlagbar sind. Belehren oder verbieten wollen sie auf gar keinen Fall, sie glauben vielmehr an die Überzeugungskraft der tollen Produkte, die den Konsumenten quasi keine andere Wahl lässt, als sich dafür zu entscheiden. „Wir wollen Nachhaltigkeit modern und zugänglich machen“, so Sascha. Dabei soll vor allem die Achtsamkeit im Vordergrund stehen. Denn nur mit Achtsamkeit kann man einen Mehrwert schaffen und dadurch die Welt ein bisschen besser machen.

Gründung
Geschafft! Gründungstermin beim Notar im November 2018
Im Büro
Im Büro

INTERVIEW MIT SASCHA UND SEBASTIAN

Was wollt ihr mit myconics erreichen und bewirken?

Sascha: Unsere Hauptmotivation ist es, diesen nicht ganz wohldefinierten Begriff der Nachhaltigkeit, der sehr schnell mit langweiligem Design und „Öko“ assoziiert wird, aufzufrischen. Denn der allgemeine Tenor, auch im eigenen Freundeskreis, ist: „Öko und alles, was nachhaltig ist, kann nicht cool sein“. Wir sind der Meinung, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. Unser Sortiment besteht ausschließlich aus qualitativ hochwertigen und gleichzeitig nachhaltigen Produkten. Das ist die Essenz von myconics und genau deshalb heißen wir auch my iconic pieces – meine Lieblingsstücke.

Sebastian: Wir sind mit der Motivation gestartet, das Thema Nachhaltigkeit in Deutschland voranzubringen. Als wir begonnen haben uns damit auseinanderzusetzen, haben wir eine Umfrage in fünf deutschen Städten mit 500 Probanden durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen beim Shoppen Wert auf Qualität, Preis und Design legen. Zu denselben Ergebnissen kamen mehrere Studien. Obwohl Nachhaltigkeit beim Einkaufen eine untergeordnete Rolle spielt, war der Mehrheit das Thema der sozialen Verantwortung sehr wichtig. Die Diskrepanz entsteht daraus, dass die Befragten nachhaltig hergestellte Produkte nicht schön finden und ihnen der soziale Faktor weniger wichtig ist, als das Design. Außerdem wissen sie ebenfalls nicht, wo sie nachhaltige Produkte finden können, da potenzielle Kunden bislang nicht an ihren Touchpoints abgeholt werden. Das erklärt auch den Grund, warum bislang nur eine kleine Zielgruppe angesprochen wird.

Wir finden das sehr schade und wollen das mit myconics ändern. Nachhaltigkeit hat für uns mit Achtsamkeit zu tun. Wir möchten einen sinnstiftenden Konsum fördern. Zum Beispiel haben wir RundStil in unserem Portfolio, die Kleinmöbel in enger Zusammenarbeit mit einer Behindertenwerkstatt herstellen.

Was sind Hürden, die es zu bewältigen gibt und gab?

Sebastian: Eine Herausforderung war, Personal zu finden. Es war für uns extrem schwierig, Werkstudenten und Teilzeitkräfte zu finden. Anfangs waren wir sehr naiv und dachten, dass es ausreichen würden, Stellenausschreibungen an Universitäten auszuhängen. Schnell haben wir bemerkt, dass wir viel proaktiver sein müssen. Wir haben uns auf Career Messen fokussiert und versucht dort so präsent wie möglich zu sein. Uns ist aufgefallen, dass unsere Story viele Menschen extrem interessiert und sie auch verstanden haben, was wir machen. Uns wurde bewusst, dass wir emotionaler werden und uns dem Thema Storytelling weiter widmen müssen.

Sascha: Darüber hinaus sind auch ganz banale Dinge Hürden. Dadurch, dass wir wenig Personal haben, gleichzeitig das Gründen einer Firma aber viel Arbeit erfordert und dies viele unterschiedliche Aufgaben mit sich bringt. Da richtig zu priorisieren, zu wissen, was man wann tut und was man vielleicht erst später macht oder was man vielleicht erst mal gar nicht macht, ist oft gar nicht so einfach. Natürlich würde man am liebsten alles machen und am liebsten schon gestern, aber so funktioniert das Spielchen nun mal nicht. Hier ist es immer wieder eine Herausforderung, sich wieder in die Augen zu schauen und zu sagen, wir machen jetzt das und auch ganz bewusst zu sagen, wir machen das nicht, was deutlich schwieriger ist.

Was wünscht ihr euch für myconics und auch für euch?

Sebastian: Mein Wunsch wäre es, dass wir von myconics leben können. Das wäre für mich das erste große Ziel, dass wir selber tragbar sind. Damit meine ich nicht, dass wir jetzt die dicken Autos fahren, passt natürlich auch nicht zu uns, sondern, dass wir beide davon leben können und, dass unsere Festangestellten davon leben können. Wird natürlich eine extrem lange Zeit dauern, aber das wäre für mich ein Schritt, wo ich sagen würde dann haben wir‘s geschafft.

Noch kurzfristiger wäre für mich, eine höhere Sichtbarkeit zu erlangen. Wir arbeiten extrem daran, die Brand Awareness zu erhöhen. Wir gehen auf Messen, sind auf Social Media präsent und über andere Touchpoints erreichbar. Wir wünschen uns, als gute Alternative zu herkömmlichen Einkaufsmöglichkeiten wahrgenommen zu werden.

Sascha: Bei mir ganz ähnlich, ich fände es super, wenn mich irgendein Freund oder Bekannter, der nicht weiß, dass ich bei myconics arbeite, auf die Seite aufmerksam machen und sagen würde, „schau mal, was das für eine coole Plattform ist, die ich da gefunden hab“. Das fände ich echt cool.

Tipps für Gründer/innen?

Sebastian: Was wirklich eine Herausforderung war, ist das Thema Administration und Bürokratie. Das ist nicht nur positiv, sondern sehr zermürbend. Das hat keinen direkten Mehrwert, sondern muss gemacht werden. Da würde ich jedem raten, sich genügend Zeit dafür zu nehmen und sich zu informieren.

Ein anderer Tipp wäre, sich die Subventionen und Fördermittel anzuschauen. Es gibt extrem viele Fördermittel, die vor der Gründung abgeschöpft werden können. Es gibt aber auch Fördermittel, die kurz nach der Gründung beantragt werden können. Also es gibt wirklich einen Topf von Fördermittel in Deutschland, die zum Teil erhebliche Beträge bieten, aber die natürlich auch Voraussetzungen haben, die man wissen und eben auch erfüllen muss.

Es ist für mich eine Art Selbstverwirklichung. Es sehr viel Arbeit, aber man arbeitet am Ende für sich und man lernt für sich selbst extrem viel. Klar machen wir auch viele Fehler, aber so lernen wir die Dinge von Grund auf und uns kann damit in zwei, drei Jahren keiner was vormachen.

Sascha: Ich denke, dass das Wichtigste ist, hinter der Vision zu stehen, die man hat. Damit meine ich nicht, dass man kein Feedback entgegennehmen soll. Wenn man aber seinem Bekanntenkreis das erste Mal von seiner Idee erzählt, ist es sehr wahrscheinlich, dass neun der zehn Freunde sagen, dass das eh nicht klappen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auf Menschen entmutigend wirken kann oder man klein beigibt. Ich finde, hier ist es wichtig, das Feedback aufzunehmen, das zu verarbeiten aber dabei immer an seiner Idee festzuhalten und sich nicht vom Weg abbringen zu lassen.

Was versteht ihr unter Achtsamkeit? Was bedeutet das für euch?

Sebastian: Konsum ist nicht negativ. Es gibt einen achtsamen Konsum, indem nur das konsumiert wird, was man auch braucht. Ich glaube, wenn man sich damit achtsam auseinandersetzt und sich wirklich mal zwei oder drei Gedanken dazu macht, wo das Produkt herkommt oder ob es wirklich gebraucht wird, dann ist ein achtsamer Lebensstil sehr erstrebenswert und macht einfach Sinn. Mich hat früher schon genervt, dass es im „Fast Fashion Bereich“ extrem oberflächlich ist. Es gibt jede Saison eine neue Kollektion. Deswegen gefällt mir das Thema Achtsamkeit, weil ich damit einen Sinn sehe, hinter dem, was ich mache.

Sascha: Ich verbinde Achtsamkeit auch in erster Linie mit einem bewussten Lebensstil, aber jetzt auch nicht dogmatisch. Wir sind hier nicht der Meinung und möchten auch nicht erreichen, dass jetzt jeder seinen Lebensstil versucht nachhaltig zu gestalten. Darum geht es auch gar nicht, aber wenn man sich vorstellt, dass jeder seinen Konsum, um 4 % oder 5 % nachhaltiger gestaltet, ist schon eine große Menge gewonnen. Genauso ist das Selbstverständnis bei myconics. Wir sind hier keine Heiligen, darum geht es gar nicht, dass man hier seinen kompletten Lebensstil umstellt, sondern bewusster lebt und dann versucht, den eignen Konsum teilweise umzustellen, um so einen Beitrag zu leisten. Wenn alle das tun, dann ist vielen geholfen.


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